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Hotels of Your Favour

 

Mythos Ferrari

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Gestylte Sünden

Über Geschmack lässt sich nicht streiten oder doch? Wenn man es genau betrachtet ist das sogar genau das, was die Würze in der Suppe ausmacht. Fragwürdige Trends und Gags nehmen im Gastgewerbe mittlerweile überhand und mit dem Überraschungseffekt ist es dann auch nicht mehr gut bestellt. Wer braucht noch fliegende Kellner wie im „Royal Dragon Restaurant“ in Bangkok oder möchte in der Pappmaschee Basiliuskathedrale von Moskau im "Kremlin Palace Antalya" speisen? Die Zeit der Themenhotels ist auch in Las Vegas vorbei. „Excalibur“ na ja und „Aladdin“ ade, „Planet Hollywood“ ist auch nicht besser, „Circus-Circus“ und Co. sind nur noch (Märchen-)Schatten ihrer selbst. Sogar das ehrwürdige „Caesars Palace“, das „Venetian“ und das „Bellagio“ müssen hart um die Gunst der Luxustouristen buhlen. Aber was wäre Las Vegas ohne sein Image, die Stadt der Unterhaltung zu sein mit immer größeren Hotel-Casinos und Shows. Pünktlich zum neuen Jahrzehnt wurde dann auch das Mega-Projekt MGM CityCenter eröffnet. Eine kleine Stadt in der Stadt mit, im wahrsten Sinn des Wortes, schrägen Gebäuden. Daran wäre ja noch nicht mal so viel auszusetzen, wenn nicht mitten drin auch noch ein Gebäude stünde, das „Crystals“. Ein riesiges Einkaufs- und Unterhaltungszentrum mit Restaurants und Showbühnen, das futuristisch wirken möchte, aber einer der unattraktivsten Entwürfe des bekannten Architekten Daniel Libeskind ist. Schade!

Zuviel Avantgarde kann manchmal auch das Gegenteil bewirken. Es ist zu bezweifeln, ob man z.B. in einem knallrot gefärbten Pool schwimmen möchte, wie im „Murano Oriental Resort“ in Marrakesch - wer will schon im Blut baden? Das Kombinieren von klassischen und antiken Elementen mit schreiend-blendenden Goldpolstern einer Sitzbank mag im Zusammenhang mit der Art déco Kuppel im „Banke” in Paris nicht alltäglich sein, gewöhnungsbedürftig ist das Ganze schon. Und ob der Anblick eines Männerporträts, das sich im Display in einer Paviangestalt verwandelt, wie im „SLS at Beverly Hills“, die Damenwelt in Entzückung versetzt ist vermutlich zu bezweifeln. Na ja, erlaubt ist was gefällt und Hollywood ist eine große Freilichtbühne. Das alles mögen nur kleine optische Sünden sein, aber sobald es darum geht, nur von bestimmten Unzulänglichkeiten bezüglich der Größe und Aufteilung der Räume abzulenken, wie es in vielen mit spitzen Bleistift errichteten Hotels der neuen Generation der Fall ist, versteht der Gast den Joke nicht mehr. Wenn Design um seiner Selbst willen angewendet wird, ist es eben nicht immer zum Wohl des Gastes, auch wenn die Originalität lobenswert sein kann.

Anders verhält es sich bei manchen absolut exklusiven Hotels, die nicht bei der Höhe der Investition gespart haben, aber dafür mit übertriebenem Prunk und Gigantismus Eindruck schinden möchten. Zwar ist das „Emirates Palace“ in Abu Dhabi nicht mit einem gewöhnlichen Hotel zu vergleichen, es ist schließlich als königlicher Gästepalast konzipiert worden, aber hier könnte man sich durch das Zuviel an Gold und Protz manchmal unterkühlt fühlen. Allein die über 900.000 qm bebaute Fläche lässt die meisten Gäste erschaudern, gemütlich ist was anderes.

In solchen Momenten sehnt man sich nach einem kleinen, feinen Palais, irgendwo in der Welt oder nach einem Landhaus in der Provence, in dem man am Kamin sein Aperitif nehmen kann, anschließend eines dieser köstlichen Menus, von einem Gourmetkoch zubereitet und bei einer guten Flasche Wein, genießen kann und Kraft tankt, um sich in der Welt der Kuriositäten wieder zurechtzufinden. Reisen kann auch anstrengend sein!

 

Herzlichst

Paraphe

Ihre Annetta Becker